Rauchstopp mit der E-Zigarette – was sagt die Wissenschaft?

Raucherinnen und Rauchern, die sich vornehmen, mit dem Rauchen aufzuhören oder weniger Tabak zu konsumieren, greifen häufig zur E-Zigarette – oftmals mit Erfolg. Auch wenn die elektronische Zigarette nicht „die“ Lösung ist, kann sie unterstützend beim Erreichen des Ziels eingesetzt werden. Für einen erfolgreichen Rauchstopp muss aber auch berücksichtigt werden, dass zusätzlich angelernte Verhaltensmuster geändert werden müssen. Der Verhaltenstherapie kommt bei der Raucherentwöhnung daher eine wichtige Bedeutung zu.


Die Rolle der E-Zigarette beim Rauchstopp wird von Forschergruppen weltweit viel Beachtung geschenkt, das Wissen in diesem Gebiet nimmt immer weiter zu. Wie sicher sind E-Zigaretten? Wie effektiv sind sie? Gibt es gesundheitliche Vorteile? Hier haben wir für Dich zusammengefasst, was der Stand der Wissenschaft ist.


Raucherentwöhnung - Mann raucht e-cigarette

Rauchstopp: Wie und wobei kann mir die E-Zigarette beim Rauchstopp helfen?


Nikotinhaltige E-Zigaretten können dabei helfen, den Rauchstopp erfolgreich zu meistern. Sie führen im Vergleich zu gängigen Zigaretten zu einer geringeren Schadstoffbelastung im Körper, zudem können sie die von Raucherinnen und Rauchern gefürchteten Entzugserscheinungen lindern. Zur Wirksamkeit und Sicherheit liegen auch bereits vielversprechende Daten vor. Hier kannst Du Details nachlesen, inwiefern die E-Zigarette Dir beim Rauchstopp helfen kann.



E-Zigaretten – die am häufigsten genutzte Methode zur Raucherentwöhnung in Deutschland

E-Zigaretten sind eine beliebte Methode beim Rauchstopp. Das zeigt die „Deutsche Befragung zum Rauchverhalten“ (DEBRA). Diese Studie untersuchte, inwiefern die Tabakkontrollmaßnahmen in der Bevölkerung umgesetzt werden und liefert bislang fehlende Daten zu Schlüsselindikatoren des Rauchverhaltens sowie zum Konsum neuer Produkte wie E-Zigaretten.


Methodik: Im Abstand von jeweils zwei Monaten wird eine repräsentative Stichprobe von ca. 2000 Personen im Alter von 14 Jahren oder älter deutschlandweit persönlich-mündlich befragt. Es wurden Daten von 12.273 Personen aus sechs Wellen (Juni/Juli 2016 bis April/Mai 2017) berücksichtigt.


Ergebnisse:

  • 28,1% der Raucherinnen und Raucher hatten im letzten Jahr einen Rauchstoppversuch unternommen. Die am häufigsten genutzte Methode – abgesehen von der Nutzung der eigenen Willenskraft und des sozialen Umfelds – war die E-Zigarette mit oder ohne Nikotin (9,1 %).

  • Die am häufigsten genutzte evidenzbasierte Rauchstoppmethode war eine ärztliche Kurzberatung (6,1 %). 7,0 % der Befragten nutzten mindestens eine pharmakologische Methode (z.B. Nikotinpflaster) um mit dem Rauchen aufzuhören.


Expertenmeinung: „E-Zigaretten sind 95% weniger schädlich“


2015 wurde von Public Health England (PHE) eine unabhängige Untersuchung veröffentlicht, die das Ziel hatte, die zu dem Zeitpunkt aktuelle Studienlage zur E-Zigarette zu evaluieren und die Evidenz zu prüfen. Die Experten kommen zu dem Schluss, dass E-Zigaretten wesentlich weniger gesundheitsschädlich sind als Tabak. Den Wissenschaftlern zufolge haben sie das Potenzial dazu, Rauchern dabei zu helfen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Ergebnisse:

  • Experten schätzen, dass E-Zigaretten rund 95% weniger schädlich sind als das Rauchen von herkömmlichen Zigaretten.

  • Fast die Hälfte der Bevölkerung (44,8%) weiß nicht, dass die elektronischen Hilfsmittel viel weniger schädlich sind als ihre Tabakzigarette .

  • Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass E-Zigaretten Kindern und Nichtrauchern als Einstieg zum Rauchen dienen.

E-Zigarette beim Rauchstopp doppelt so erfolgreich wie Nikotinersatzprodukte


Diese Erkenntnis geht auf eine klinische Untersuchung von Hajek et. al. 2019 mit 886 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern zurück, die einen wichtigen Beitrag leistet, um wissenschaftliche Aussagen zur Wirksamkeit von E-Zigaretten bei der Raucherentwöhnung zu treffen.


Die Erwachsenen erhielten dabei nach dem Zufallsprinzip entweder Nikotinersatzprodukte ihrer Wahl, einschließlich Produktkombinationen, die für bis zu drei Monate bereitgestellt wurden. Oder sie bekamen eine Starterpackung für E-Zigaretten (eine nachfüllbare E-Zigarette der zweiten Generation) mit einer Flasche Nikotin-Flüssigkeit in der Konzentration 18 Milligramm pro Milliliter zur Verfügung gestellt. Ihnen wurde außerdem empfohlen, weitere E-Flüssigkeiten je nach Geschmack und Stärke ihrer Wahl zu kaufen. Außerdem kam für mindestens vier Wochen eine wöchentliche Verhaltenstherapie hinzu.

Ergebnisse:

  • Die 1-Jahres-Abstinenzrate betrug in der E-Zigaretten-Gruppe 18,0, verglichen mit 9,9 Prozent in der Nikotinersatzgruppe (primäres Ergebnis). E-Zigaretten waren für die Raucherentwöhnung somit wirksamer als die Nikotinersatztherapie, vorausgesetzt beide Produkte wurden von einer Verhaltenstherapie begleitet.

  • Bezüglich der Atemwegsbeschwerden gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Bei der E-Zigaretten-Gruppe wurde sogar signifikant häufiger ein Rückgang von respiratorischen Symptomen wie Husten und Schleimproduktion beobachtet, die auf die vorherige Inhalation von Tabakrauch zurückzuführen waren (sekundäre Ergebnisse).

Cochrane Review: E-Zigarette beim Rauchstopp 70% effektiver als Nikotinersatzprodukte

Zunächst ist es hilfreich, den Begriff „Cochrane Review“ zu definieren. Cochrane Reviews sind qualitativ hochwertige und systematische Untersuchungen (Übersichtarbeiten), die von Experten durchgeführt werden und die gesamte Evidenz zu einem bestimmten Thema der Gesundheits- und Sozialversorgung analysieren. Sie haben eine besonders hohe Aussagekraft, insbesondere mit steigender Studien- und damit Teilnehmerzahl.


Bei dem im Jahr 2020 veröffentlichten Cochrane Review war das Ziel, die Wirkung und die Sicherheit der Verwendung elektronischer Zigaretten zu bewerten, um rauchenden Menschen zu einer langfristigen Rauchabstinenz zu verhelfen. Insgesamt wurden dabei 50 Studien berücksichtigt. Die letzte Publikation zu diesem Thema war aus dem Jahr 2016, dort wurden lediglich 15 Studien zur Analyse herangezogen. Mit dem Cochrane Review wurde der bisherige Wissensstand aktualisiert und erweitert. Insgesamt wurden die Daten von 12.430 Personen berücksichtigt.

Ergebnisse:

  • Nikotinhaltige E-Zigaretten sind bei der Unterstützung von Raucherinnen und Raucher 70% wirksamer als Nikotinersatztherapien (beispielsweise Pflaster und Kaugummi).

  • Nikotinhaltige E-Zigaretten unterstützen Raucherinnen und Raucher um 70% effektiver bei der erfolgreichen Raucherentwöhnung als nikotinfreie E-Zigaretten.

Langzeitstudie: „Keine Schädigungen der Lunge durch E-Zigaretten-Nutzung“


E-Zigaretten sind im Vergleich zu Tabakzigaretten nachgewiesenermaßen weniger schädlich. Dennoch gibt es Bedenken, ob ein langfristiger Konsum Risiken für die menschliche Gesundheit darstellen kann. Italienische Forscherinnen und Forscher der Universität von Catania haben deshalb in einer prospektiven Beobachtungsstudie untersucht, wie die gesundheitlichen Parameter von neun E-Zigarettenkonsumenten (täglicher Konsum; Durchschnittsalter 29,7 (±6,1) Jahre) über einen Zeitraum von 3,5 Jahren aussahen. Als Referenzgruppe dienten zwölf Nichtraucherinnen und -raucher. Zu den analysierten Parametern gehörten Blutdruck, Herzfrequenz, Körpergewicht, Lungenfunktion, Atemwegssymptome, ausgeatmetes Stickoxid, ausgeatmetes Kohlenmonoxid und hochauflösende Computertomographie der Lunge.


Ergebnisse:

  • Aufgrund der geringen Stichprobengröße haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler alle einzelnen Datensätze nacheinander auf Anzeichen negativer Veränderungen überprüft. Bezüglich der verschiedenen Parameter wie Blutdruck, Herzfrequenz etc. gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Personen der E-Zigaretten-Gruppe und der der Kontrollgruppe. Pathologische Auffälligkeiten gab es keine.

  • Trotz der geringen Stichprobengröße und des fehlenden Vergleichs mit Raucherinnen und Rauchern trägt die Studie zum gegenwärtigen Verständnis der Gesundheitseffekten in Zusammenhang mit der Verwendung von E-Zigaretten bei.