Wie und wobei kann mir die E-Zigarette beim vollständigen Rauchstopp helfen?

Die E-Zigarette ist – im Vergleich zu Nikotinpflastern und -kaugummis sowie verschreibungspflichtigen Medikamenten – das am häufigsten genutzte Produkt zur Raucherentwöhnung. Dies zeigt die „Deutsche Befragung zum Rauchverhalten“ (sog. „DEBRA-Studie“), die von der Universität Düsseldorf in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit durchgeführt wurde. Viele Raucherinnen und Raucher erhoffen sich durch den Umstieg auf das elektronische Hilfsmittel endlich rauchfrei zu sein. Gehörst Du auch dazu? In diesem Zusammenhang möchten wir Dir die zwei wichtigsten Fragen beantworten: Kann mir eine E-Zigarette beim Rauchstopp helfen? Und: Macht ein Umstieg auf die E-Zigarette überhaupt Sinn?

Rauchstopp: Frau raucht e-cigarette
Frau raucht e-cigarette für Rauchstopp


E-Zigarette kann Entzugssymptome verringern


Die Tabaksucht besteht aus einer körperlichen sowie psychischen Abhängigkeit und führt früher oder später zu verschiedensten Entzugserscheinungen, wenn der Raucher bzw, die Raucherin die Nikotinzufuhr plötzlich stoppt (siehe auch: „Der erste Schritt zum Rauchstopp – die Tabaksucht verstehen“). Viele Raucherinnen und Raucher, die mit dem Rauchen aufhören wollen, sehen die E-Zigarette als geeignete Methode dafür. Aber warum?


Die Gründe hierfür dürften in der Praktikabilität bzw. auch Alltagstauglichkeit liegen. E-Zigaretten haben den Vorteil, dass die Nikotinaufnahme im Körper deutlich effizienter im Gegensatz zu Pflastern oder Kaugummis ist und somit die üblichen körperlichen Entzugserscheinungen besser vermeidet (siehe auch: „Rauchen aufhören: Methoden und ihre Limitationen“). Zusätzlich bleibt die Hand-zu-Mund-Bewegung zunächst erhalten, wenn eine E-Zigarette im Rahmen eines Rauchstoppversuchs angewendet wird.

Die Zahl der Studien, die den Einsatz dieser Hilfsmittel beim Rauchstopp untersucht haben, nimmt stetig zu. Doch mit der 2019 erschienenen Publikation von Wissenschaftlern um Professor Hajek gibt es nun erstmals aussagestarke Hinweise, dass E-Zigaretten das Rauchverlangen und tabakbedingte Entzugssymptome verringern können -


ein Meilenstein bei der Einschätzung der klinischen Wirksamkeit von E-Zigaretten als Hilfsmittel zur dauerhaften Tabakentwöhnung.

Insgesamt haben an dieser klinischen Studie 886 Raucherinnen und Raucher teilgenommen. Die Untersuchungspersonen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die sogenannte Interventionsgruppe erhielt ein Starterpaket, bestehend aus einer E-Zigarette der zweiten Generation sowie einer Nachfüllflasche mit einem 18mg Nikotinliquid. Die Kontrollgruppe nutzte Nikotinersatzpräparate (z.B. Pflaster, Kaugummi, Mundspray etc.) über einen Zeitraum von drei Monaten. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer hatten dabei die Möglichkeit diese Produkte miteinander zu kombinieren. Außerdem erhielten beide Gruppen eine wöchentliche Verhaltenstherapie für mindestens vier Wochen.


Die Ergebnisse zeigen, dass die Personen, die die E-Zigarette nutzten, doppelt so erfolgreich (18 Prozent) bei der Zigarettenentwöhnung waren als diejenigen, die eine Nikotinersatztherapie erhielten (neun Prozent), wenn beide Produkte von einer Verhaltenstherapie begleitet wurden.


Weiterhin zeigte die Studie, dass es bezüglich der Atemwegsbeschwerden keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gab. Die E-Zigaretten-Gruppe berichtete sogar signifikant häufiger einen Rückgang von respiratorischen Symptomen wie Husten und Schleimproduktion, die auf die vorherige Inhalation von Tabakrauch zurückzuführen waren.



Niedrige Schadstoffbelastung im Körper durch E-Zigarette


Die schrittweise Linderung der Entzugssymptome bei der Raucherentwöhnung kann durch unterschiedliche Strategien unterstützt werden. Eine davon ist der Einsatz von E-Zigaretten, die auch Nikotin beinhalten. Im Vergleich zur normalen Zigarette wird hier auf die Verbrennung des Tabaks verzichtet. Das führt dazu, dass giftige Verbrennungsprodukte, die sonst inhaliert werden, nicht freigesetzt werden. E-Zigarette führen zu einer deutlich niedrigeren Schadstoffbelastung. Mittlerweile ist in Studien belegt, dass der vollständige Wechsel von der Zigarette auf die E-Zigarette zu einer deutlichen Absenkung der Exposition mit den Hauptschadstoffen des Tabakrauchs führt und wahrscheinlich mit verringerten Gesundheitsrisiken einhergeht (1).


Folgen sind u. a. eine Verbesserung von Lungenfunktion, Krankheitssymptomen, Asthmakontrolle und endothelialer Funktion (2).

Bei Patienten mit Asthma oder chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) verringerte der Wechsel zu E-Zigaretten die Anzahl der Exazerbationen und verbesserte die Krankheitssymptome (3). Auch wenn mehrere Beobachtungen die Annahme untermauern, dass der Konsum von E-Zigaretten die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System gefährden können, wird das Risiko im Vergleich zum Rauchen von Zigaretten als geringer eingeschätzt (4). Zudem bewerten Experten das kanzerogene Potential der E-Zigaretten als eher gering, da die Konzentration der schädlichen Substanzen im Aerosol bei sachgemäßem Gebrauch niedrig ist (5). Fakt ist: E-Zigaretten sind nicht ganz ohne Risiken, doch auf Basis der bisherigen Studienlage kann davon ausgegangen werden, dass die langfristigen Auswirkungen im Vergleich zu normalen Zigaretten sehr wahrscheinlich deutlich geringer sind (6).



Cochrane Review bestätigt Effektivität von E-Zigarette beim Rauchstoppversuch


2020 wurde in einem Cochrane Review die Evidenzlage bezüglich des Einsatzes von elektronischen Zigaretten zur Raucherentwöhnung analysiert. Die Übersichtsarbeit beschäftigte sich mit den Erfolgsaussichten von nikotinhaltigen E-Zigaretten im Vergleich zu weiteren Maßnahmen der Raucherentwöhnung. Dazu gehören neben der E-Zigarette, das Aufhören ohne jegliche Hilfen sowie nikotinhaltige Ersatztherapien wie Pflaster und Kaugummis. Außerdem zählen auch verhaltenstherapeutische Sitzungen und das Dampfen von E-Zigaretten ohne Nikotin dazu.


Wirksamkeit der E-Zigarette

Den Cochrane-Wissenschaftlern zufolge sind E-Zigaretten wirksame Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung und nach den aktuellen Erkenntnissen wirksamer und nicht schädlicher als routinemäßig angebotene Nikotinersatzprodukte wie Pflaster und Kaugummis.

Somit ist die Evidenz seit dem letzten Review von 2016 wesentlich gestiegen. Diese Erkenntnisse dürften für das medizinische Fachpersonal sowie Raucherinnen und Raucher von großer Bedeutung sein. Denn Erfahrungsberichte und Umfragen zeigen, dass ein großer Anteil der rauchenden Personen eine falsche Einschätzung über die Schädlichkeit von E-Zigaretten hat.


Sicherheit der E-Zigarette – keine schweren Nebenwirkungen, aber auch keine Langzeitdaten


Bei der konsolidierten Analyse der Datenpunkte aus allen Studien des Cochrane Reviews gab es keine Hinweise darauf, dass Personen, die nikotinhaltige E-Zigaretten anwendeten, über schwerwiegende Gesundheitsprobleme berichteten im Vergleich zu Personen, die nikotinfreie E-Zigaretten, Nikotinersatztherapie oder gar keine Therapie anwendeten. Es gibt aktuell keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen, jedoch sind Langzeitdaten über eine dauerhafte Nutzung von E-Zigaretten ausstehend. Insgesamt ist es aber wissenschaftlich belegt, dass E-Zigaretten nicht so schädlich sind wie herkömmliche Zigaretten und dass ein Raucher von einem Umstieg auf diese profitiert.

Obwohl sich die Evidenz des Einsatzes von E-Zigaretten in der Rauchentwöhnung zunehmen verstärkt, ist in Deutschland und in weiteren europäischen Ländern eine Empfehlung gegenüber Rauchern noch ausstehend. Vorreiter ist dagegen England. Dort wird der Einsatz der E-Zigarette zur Rauchentwöhnung gegenüber Raucherinnen und Rauchern sowie Personen des Gesundheitswesens bereits heute thematisiert und auch als effektive und sichere Methode aktiv empfohlen.

Fazit

Bis vor einigen Jahren war die Studienlage bezüglich der Wirksamkeit von E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung noch nicht ausreichend, um eine konkrete Empfehlung ableiten zu können. Dies hat sich jedoch nach der klinischen Studie von Hajek et. al. 2019 und dem Cochrane Review geändert.


Nikotinhaltige E-Zigaretten führen im Vergleich zu normalen Zigaretten zu einer weitaus geringeren Schadstoffbelastung und können effektiv beim Rauchstopp helfen.

Sie behandeln zudem die körperliche Sucht effizienter als die Nikotinersatztherapien. Doch für einen erfolgreichen Rauchstopp muss zusätzlich die Verhaltensabhängigkeit adressiert werden. Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit untermauern diesen Ansatz.



1(vgl. DKFZ 2020; NASEM 2018; Shields et al. 2017)

2(vgl. George et al. 2019; NASEM 2018; Polosa et al. 2016a)

3(vgl. Polosa et al. 2016b)

4(vgl. Benowitz u. Fraiman 2017; Shields et al. 2017; NASEM 2018)

5(vgl.NASEM 2018; Stephens 2018)

6(vgl. NASEM 2018)